Review: WWE 2K14 (Xbox 360, Playstation 3)

(Screenshots: 2K Games)

Für die einen ist es lediglich eine bunte Zirkusshow mit muskelbepackten und eingeölten Gladiatoren in hautengen Latex-Kostümen. Für die anderen ist es das unterhaltsamste Business der Welt: Wrestling. In den USA erfreut sich die Symbiose aus Sport und Entertainment ungebrochen großer Popularität, in Deutschland scheint der Boom dagegen etwas abgeflaut zu sein. Nichtsdestotrotz erwarteten Fans die erste Veröffentlichung aus der WWE-Spielereihe, die von 2K Games veröffentlicht wurde, mit Spannung. Ist das Endprodukt eines World Heavyweight Titles würdig? Oder macht die Reihe höchstens Karriere als Jobber?

Nach dem Aus für den langjährigen Publisher THQ lag die Zukunft der WWE-Spielereihe lange im Ungewissen. Mit 2K Games fand sich allerdings nicht nur ein dankbarer Abnehmer, sondern auch ein Vertriebslabel, das aufgrund diverser Sportreihen weltweit geschätzt wird. Die lang ersehnte, große Rundumerneuerung durften Fans nicht erwarten, da den Entwicklern von Yuke’s angeblich zu wenig Zeit für die Entwicklung einer neuen Engine blieb. Daher waren die Zweifel groß, ob das neue Spiel würde überzeugen können. Wer jedoch ein „If WWE2K14 sucks, we riot“-Schild gebastelt hat, kann es in guter alter Hulk-Hogan-Manier zerreißen oder zumindest zur Seite legen. Eine mäßige Bewertung hat das Spiel keinesfalls verdient.

Zu Beginn begrüßt uns das Hauptmenü mit den fetzigen Entrance Themes der Superstars. Nachdem ich in den Optionen die nervigen Entrance Themes von Randy Orton und John Cena deaktiviert habe, betrachte ich die diversen Spielmodi. All die alten, aber bewährten Matcharten wie Steel Cage, Ladder oder TLC sind mit dabei. Abgesehen von den umfangreichen Möglichkeiten sticht aber ein Modus hervor: 30 Years of WrestleMania.

Bei diesem Spieltypus durchlebt der Spieler die beinahe 30-jährige Geschichte von WrestleMania, dem Superbowl des Wrestlings. Im Jahr 1985 angefangen, steht Vince McMahon (damals noch ohne Powerwalk, aber dafür mit mehr Haarpracht ausgestattet) im Ring und verkündet mit nicht zu wenig Pathos in der Stimme „Welcome to WrestleMania“. Von nun an verkörpert der Spieler die Superstars, die in legendären Matches im Ring standen und kämpft die Highlights der vergangenen WrestleManias nach. Werden nun einzelne Matches gewonnen oder spezielle Aufgaben gelöst, schaltet der Spieler weitere Superstars oder Arenen frei. André the Giant einen Bodyslam verpassen und dabei in Nostalgie verfallen – das und noch viel mehr verspricht Spielspaß für mehrere Stunden.

Interessant ist auch der im Deutschen klotzig benannte „WWE Welt“-Modus (was sprach hier eigentlich gegen die Beibehaltung des Originalnamens „WWE Universe“?). Dieser Modus bildet den WWE-Kalender ab. Der Spieler kann bei den beiden zentralen TV-Ausstrahlungen Raw und Smackdown Matches ansetzen, diese wahlweise auskämpfen oder simulieren, neue Rivalitäten generieren und diese zur nächsten Großveranstaltung führen. Damit stellt „WWE Welt“ eine Art Karriere- und General-Manager-Modus in einem dar, ist aber keins von beiden. Insgesamt zwar aufgrund der nahezu unendlichen Einstellungsmöglichkeiten sehr gelungen, doch wer schon seit Jahren auf die Wiederauflage des großartigen General-Manager-Modes alter Playstation-2-Tage gewartet hatte, wird hier ein wenig enttäuscht.

Im Ring ist vieles beim Alten geblieben. Mit den vier Haupttasten lassen sich schnell diverse Strikes, Moves und Holds durchführen. Für erfahrene WWE-Spiele-Konsumenten ist der Einstieg alles andere als schwer. Das Kontersystem wurde jedoch etwas überarbeitet. Es ist nicht mehr so einfach wie in WWE 13, den Finisher des Gegners zu kontern. Generell stellt sich die KI besser an als bei den Vorgängern, sodass keine langen Konter-Orgien entstehen. Doch die Engine bleibt das Hauptmanko: Immer noch greift John Cena gelegentlich ins Leere, wenn er Big Show in die Ringecke schleudert. Auch das Publikum glänzt weiterhin durch zufällige Bewegungen, die sich wiederholen wie eine hängen gebliebene Schallplatte. Zwar sieht das schon viel besser aus als noch vor fünf Jahren, doch im Vergleich zu den Aushängeschildern der 2K-Sportspiele (beispielsweise die NBA2K-Reihe) schneidet WWE 2K14 eher bescheiden ab.

Ansonsten punktet das Spiel durch Detailverliebtheit. Wenn CM Punk die Rampe betritt und zu seinem unnachahmlichen „It’s clobbing time“ ansetzt, grölt der geneigte Wrestling-Nerd gerne mit. Auch der Create-Modus ist gewohnt stark. Hier kann der Spieler nicht nur eigene Arenen oder Titelgürtel erstellen, sondern auch Superstars oder Diven, die meist gut gebauten Wrestlerinnen. Ein typisch amerikanischer Hinterwäldler, der Strohhut und Hosenträger trägt? Kein Problem! Eine Diva, die im Krankenschwester-Kostüm in den Ring kommt und sich lasziv am obersten Seil räkelt? Auch kein Problem! Ein mexikanischer Luchador, der eine rote Maske trägt, die aussieht wie ein gespaltener Penis? Total easy! Der Fantasie des Nutzers sind (fast) keine Grenzen gesetzt.

WWE 2K14 fesselt den Spieler vor allem durch den „30 Years of WrestleMania“-Modus. Wer seinerzeit WrestleMania VI im Fernsehen verfolgt, das Match Hulk Hogan vs. Ultimate Warrior gesehen und für einen der beiden mitgefiebert hat, wird die gleichen Emotionen wie damals ein zweites Mal verspüren. Wer bei WrestleMania X Bret Hart die Daumen gedrückt hat und den Tränen nahe war, als der Hitman Yokozuna pinnte und erneut WWF Champion wurde, der wird auch hier hemmungslos weinen müssen. Und wer bei WrestleMania XIX die Luft angehalten hat, als Brock Lesnar aufs oberste Seil stieg, um eine misslungene Shooting Star Press folgen zu lassen, der wird auch bei diesem Spiel an diese ominöse Szene zurückdenken und vielleicht sogar lachen müssen.

Kurzum: Das Spiel glänzt insbesondere durch seinen großzügigen Inhalt und ist allein deshalb garantiert kein Jobber. Jeder Wrestling-Fan wird seine wahre Freude haben. Fürs nächste Jahr wünsche ich mir allerdings, dass 2K Games realisiert, dass die jetzige Engine nicht mehr zeitgemäß ist und rundum erneuert werden muss. Dann klappt es auch mit dem World Heavyweight Title.

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